Kirchliches Immobilienmanagement
Kirchliche Immobilien: Umbau oder – vor allem energetische – Sanierung? Vielleicht die Immobilie anderweitig nutzen, verkaufen oder vermieten? – Das sind Fragen, vor denen viele Kirchengemeinden stehen und die auf dem Kirchbautag diskutiert wurden. In St. Georg Arneburg (Sachsen-Anhalt) hat man sich für eine Sanierung entschieden. Das Foto ist das Gewinnerbild des diesjährigen Fotowettbewerbs der Stiftung KiBa und der Bank für Kirche und Diakonie. Der Fotograf ist: Wolfgang Wähnelt. Letztlich muss das Projekt wirtschaftlich sein
Wie lässt sich der Bestand kirchlicher Gebäude zukunftsfähig ausrichten? Ein Workshop unter Beteiligung der Bank für Kirche und Diakonie beim Evangelischen Kirchbautag lieferte Tipps und Infos, wie verschiedene Entscheidungen beim Immobilienmanagement besser zum Ziel führen.
Beim ersten Evangelischen Kirchbautag im Jahr 1946 waren die Bedingungen gänzlich andere als heute: Nach vielen Jahren Krieg und Zerstörung ging es um Wiederaufbau und Neubau von Kirchengebäuden. Aktuell wird der Bedarf an kirchlichen Gebäuden unter immer größerem Handlungsdruck diskutiert, denn die Zahl der Gemeindemitglieder und die Steuereinnahmen sinken, die Bewirtschaftungskosten hingegen steigen stetig.
Vor dem Hintergrund dieses Trends hat der diesjährige Kirchbautag (KBT) in Berlin das Thema „Bedarfe“ zu einem von drei Tagungsschwerpunkten ausgewählt. Umbau oder – vor allem energetische – Sanierung? Vielleicht die Immobilie anderweitig nutzen, verkaufen oder vermieten? Nach jeder Entscheidung stehen kirchliche Institutionen vor der Frage: Wie kann ein entsprechendes Projekt erfolgreich umgesetzt werden?
Ein Workshop, zu dem die Bank für Kirche und Diakonie einen Vortrag beisteuerte, lieferte Antworten und Handlungsempfehlungen. Sein Titel: „Raum für Neues: Erfolgreiche Projektentwicklung kirchlicher Immobilien“. Johannes Reinsch, EB-Sustainable Real Estate, und Björn-Olaf Asmus, Evangelische Bank, zeigten auf, welche Prozessschritte für den Erfolg eines Projekts erforderlich sind und was bei der Finanzierung zu beachten ist.
Carsten Pierburg, Bereichsdirektor Vertriebs- und Produktmanagement KD-Bank, beleuchtete die wichtigsten Hebel für die Wirtschaftlichkeit eines Sanierungs-, Neubau- oder Umnutzungsprojekts. Er stellte die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Formate für die Projektausschreibung und die Finanzierung vor (siehe Tabellen). Außerdem lieferte er einen Überblick über die Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit beeinflussen. Es kommt zu Wechselwirkungen: Baumaßnahmen können vorübergehend Einbußen bei den Mieterträgen nach sich ziehen; eine energetische Sanierung kann die Vermietungschancen erhöhen. Der veranschlagte Zeitraum für den Return on Investment und die Gebäudenutzungsdauer sollten aufeinander abgestimmt sein, riet Pierburg. Gehe es um mehrere Objekte, helfe eine strategische Gebäudeanalyse, sinnvoll zu priorisieren.

Carsten Pierburg, Bereichsdirektor der KD-Bank,
beleuchtete u. a. zentrale Hebel für die Wirtschaftlichkeit von Bauprojekten.
Dr. Marion Munz-Krines, Kips GmbH, ermunterte dazu, bei einem Projekt die Hauptamtlichen, die Ehrenamtlichen und die Öffentlichkeit durch sorgsam aufeinander abgestimmte Kommunikationsmaßnahmen zu Mitstreitern zu machen. Außerdem stellte sie die Umsetzungsschritte eines entsprechenden Kommunikationskonzepts beispielhaft vor. Auch sie hatte einen Tipp: Wichtige Projekte nicht aufschieben, sondern angehen; sich erkundigen, was andere bereits gemacht haben, und für kniffelige Fragen Fachleute hinzuziehen.
„Der Kirchbautag war eine gute Gelegenheit, uns als Finanzierungspartner von Immobilienprojekten in Kirche und Sozialwirtschaft zu präsentieren, in diesem Fall an der Seite unseres Netzwerkpartners Kips, der auf tiefergehende bauliche, kommunikationsseitige und energetische Fragen kirchlicher Institutionen spezialisiert ist“, so Pierburg im Nachgang der Veranstaltung.
Mit zwei Kollegen nahm er an vielen weiteren Angeboten des KBT teil. „Wir legen großen Wert darauf, unser Know-how als Finanzierungsdienstleister ständig zu erweitern. Wir wollen wissen, wie gerade die Stimmung in unserem Kundenkreis ist, wo der Schuh drückt und welche Trends sich abzeichnen. Netzwerken und ein gemeinsamer Austausch mit unterschiedlichen Fachleuten bringen uns vielfältige neue Erkenntnisse.“

Christoph Kirch, Architekt beim Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost, war Workshopteilnehmer.
Workshopteilnehmer Christoph Kirch, Architekt beim Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost: „Danke an Frau Dr. Munz-Krines, die eindrucksvoll aufzeigte, wie feinfühlige Kommunikation zum Erfolg eines Projekts beiträgt. Danke auch an Herrn Pierburg, der die Hintergründe zur Wirtschaftlichkeit von Projekten sehr zugänglich und nachvollziehbar erläuterte – gerade für Neueinsteiger im Bereich nachhaltiger und qualitätvoller Projektentwicklung ein wesentlicher Impuls.“
Die beiden Tabellen skizzieren stark vereinfacht die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Formate für die Projektausschreibung und die Finanzierung.


Evangelischer Kirchbautag
Die Evangelischen Kirchbautage (KBT) dienen dem Austausch über grundlegende und spezifische Themen rund um kirchliche Gebäude. Personen aus kirchlichen Leitungsfunktionen, Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitarbeitende von Bau- und Stadtplanungsämtern, Architektinnen und Architekten, Soziologinnen und Soziologen, Studierende und Interessierte des öffentlichen Lebens diskutieren aktuelle Herausforderungen und entwickeln Perspektiven.
Der erste KBT war 1946 in Hannover. Inzwischen findet der KBT alle drei bis vier Jahre an wechselnden Orten statt, organisiert von verschiedenen Landeskirchen. Seit 2006 zeichnet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für den KBT verantwortlich. Die Bank für Kirche und Diakonie nahm schon mehrfach am KBT teil und zählt zu den Sponsoren.
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