Engagement-Prozess
Diskutierten auf dem Podium des 15. EngagementForums: v. l.: Dr. Ekkehard Thiesler, Dirk Winkels, Dr. Jörg Mayer, Antje Schneeweiß und Janne Werning, Fotos: Elisabeth Illius Rüstung ist nicht ethisch-nachhaltig
Zum inzwischen 15. Mal lud die Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) ihre institutionellen Kunden zu einem EngagementForum ein. Diesmal beleuchtete es die Investierbarkeit in Rüstungs- und Waffenhersteller – auch vor dem Hintergrund der neuen Friedens-Denkschrift der EKD. Außerdem ging es um Transformationsfortschritte und To-dos in der Automobilbranche im Kontext der Elektromobilität.
Der bereits 2011 gestartete Engagement-Prozess der KD-Bank unterstreicht ihr Bemühen, Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit zu gewinnen, damit sie aus ethisch-nachhaltiger Sicht investierbar werden oder bleiben. Das EngagementForum stellt die Herausforderungen des Transformationsprozesses von Unternehmen an konkreten Beispielen vor. Es setzt sie zusätzlich in einen Kontext mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen und ethisch-nachhaltigen Standpunkten kirchlicher Investoren.
In Berlin ging es Ende November zum einen um die Frage: Sind Rüstung und Waffen als ethisch-nachhaltig klassifizierbar und somit investierbar? Dr. Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender KD-Bank, diskutierte sie mit Dirk Winkels, Leiter Investor Relations bei Rheinmetall, und Janne Werning, Leiter ESG Capital & Stewardship bei Union Investment. Ebenfalls auf dem Podium: Dr. Jörg Mayer, Leiter Finanzabteilung Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig und Vorsitzender des Vorstandes des Arbeitskreises kirchlicher Investoren (AKI), sowie Antje Schneeweiß, Geschäftsführerin AKI.
Vorab stellte Winkels die ESG-Strategie von Rheinmetall vor, in der die Notwendigkeit, aufzurüsten, thematisiert wurde. Nach seinem Impulsvortrag diskutierte die Runde Fragen wie: Lässt es sich überhaupt zwischen offensiv und defensiv genutzten Waffen unterscheiden? Falls ja, wo setzt die entsprechende Bewertung konkret an? Wie steht Union Investment zur Lockerung des Ausschlusskriteriums – u. a. des Bundesverbands der Investmentbranche BVI –, die dazu führt, dass konventionelle Waffen nun investierbar sind? Wie kann gewährleistet werden, dass Waffen, die eigentlich der Verteidigung dienen sollen, nicht an Kriegstreiber und deren Verbündete gehen?
Argumentation aus Sicht kirchlicher Geldanleger
In der an Fakten, aber auch kontroversen Standpunkten reichen Diskussion ging es dem Gastgeber und den AKI-Repräsentanten nicht darum, Antworten auf friedensethische Fragen zu geben. Vielmehr wollten sie die Position eines ethisch-nachhaltigen Geldanlegers aufzeigen. Ihre zentrale Aussage „Rüstung und Waffen sind nicht nachhaltig“ stützten sie mit vielen Argumenten, darunter: Grundsätzlich seien die Ausstattung der Bundeswehr sowie die Verteidigungsfähigkeit eine hoheitliche Aufgabe des Staates und keine Aufgabe privater Kapitalgeber. Eine Geldanlage in Waffen und Rüstung stehe für kirchliche Investoren vor allem im Widerspruch zu sozial-nachhaltigen Aspekten, da Menschen durch sie zu Schaden kommen, sogar sterben. Vom daraus resultierenden Leid würden ethisch-nachhaltige Investoren keinesfalls profitieren wollen. „An mit Waffen und Rüstung erzielten Gewinnen wollen wir nicht beteiligt sein und schließen sie als nicht ethisch-nachhaltig aus unserem Geldanlageportfolio strikt aus“, so das Credo der kirchlichen Investoren.
Die Mitte November veröffentlichte Friedensdenkschrift der EKD stehe mit diesen Gedankengängen im Einklang. Sie zeige auf, warum sich jede Christin und jeder Christ selbst ein Urteil zu dem moralisch anspruchsvollen Themenkomplex „Verteidigung, Rüstung, Waffen und Gewalt“ bilden und dies mit dem eigenen Gewissen verantworten müsse. „Genau für diesen Zweck der Meinungsbildung sollte die Diskussion einen sinnvollen Beitrag leisten“, sagte Thiesler.

Konkrete Einblicke in den Status von Nachhaltigkeit im Automobilsektor
Der zweite große Themenblock des EngagementForums 2025 befasste sich mit Nachhaltigkeit in der Automobilbranche. Zunächst stellte Dr. Dirk Voeste, Chief Sustainability Officer bei Volkswagen, die Transformationsstrategie in Richtung Elektromobilität des Automobilherstellers vor. In einem weiteren Impulsvortrag beleuchtete Dr. Esther Laabs, Projektmanagerin Rohstoffe & Batterien beim World Wide Fund for Nature (WWF), die Herausforderungen, die sich aus Sicht der Nichtregierungsorganisation für die Automobilbranche bei den Handlungsfeldern Rohstoffe, Batterien und Lieferkettenmanagement stellen.
Auch hier schloss sich eine offene und informative Diskussionsrunde unter Thieslers Leitung an. Sie erörterte, wie die Automobilindustrie die drei Handlungsfelder noch nachhaltiger ausrichten kann und wie sich einzelne Ziele im Schulterschluss mit NGOs und ethisch-nachhaltigen Investoren noch besser vorantreiben lassen. Erneut auf dem Podium saß dabei auch Janne Werning, der zudem einen eigenen Vortrag über die jüngsten Engagement-Aktivitäten von Union Investment im Auftrag der KD-Bank hielt.
„Unser diesjähriges Forum lieferte unserer Kundschaft aus Kirche und Diakonie wieder viele interessante, exklusive Einblicke in für uns als ethisch-nachhaltige Geldanleger relevante Themen. Um die Nachhaltigkeit weiter voranzubringen, setzen wir auf einen ständigen fachlichen Austausch, auf Transparenz und auf aktuelle Informationen“, so Thiesler.
Die zahlreichen Fragen und kurzen Statements der Teilnehmenden bestätigten das große Interesse an dem Austauschformat generell wie auch an der Themenwahl.
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