Weiterentwicklung Immobilienbestand
Lebenspark-Eröffnung im Marburger Diakonissenhaus Hebron im Juni 2026. Foto: DGD In Lebensparks in christlicher Gemeinschaft leben
Wie lässt sich ein historisch gewachsener Immobilienbestand zukunftsfähig weiterentwickeln, wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern? Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband e. V. (DGD) hat mit seinem Lebenspark-Konzept eine Antwort gefunden. Auf dem Gelände seiner Diakonissenmutterhäuser schafft er neuen Wohnraum und stärkt gleichzeitig das Leben in christlicher Gemeinschaft.
Noch vor rund 25 Jahren gehörten dem DGD etwa 1.500 Diakonissen an. Heute sind es noch rund 400 Schwestern. Nur knapp 30 von ihnen stehen noch aktiv im Berufsleben, die meisten befinden sich „im Feierabend“, wie die Schwestern den Ruhestand nennen. Damit stellt sich für den Verband schon länger die Frage, wie die künftig frei werdenden Wohnungen und Gebäude auf den Mutterhausgeländen sinnvoll genutzt werden können.
Die Antwort darauf musste behutsam entwickelt werden. Schließlich geht es nicht nur um Immobilien, sondern um das langjährige Zuhause vieler Diakonissen und um die Frage, wie ihr geistliches und diakonisches Erbe langfristig weitergetragen werden kann.
Nach intensiven Gesprächen und Recherchen – auch über Deutschland hinaus – entwickelte der DGD ab 2020 sein heutiges Lebenspark-Konzept. Es verbindet zwei Lösungsstränge, die einem gemeinsamen Leitgedanken folgen: dem Leben in einer christlich geprägten Gemeinschaft und der Überführung des werteorientierten Erbes der Diakonissen in die Zukunft.

Umbau des Altbestands und Öffnung nach außen
Der erste Lösungsstrang betrifft die Weiterentwicklung bestehender Wohngebäude. Wohnungen, die die Diakonissen nicht mehr benötigen, werden nach Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen für Menschen geöffnet, die sich mit den christlichen Werten des Lebensparks identifizieren. Die Umgestaltung erfolgt dabei stets in enger Abstimmung mit den weiterhin in den Gebäuden lebenden Diakonissen.
Der zweite Lösungsstrang richtet den Blick auf die oft weitläufigen Grundstücke der Mutterhäuser. An mehreren Standorten entstehen dort neben den Sanierungsprojekten auch Neubauten. Auf diese Weise wird zusätzlicher Wohnraum geschaffen – ebenfalls ganz gezielt für Menschen mit einem christlichen Gemeinsinn. Denn das Konzept geht über reines Wohnen deutlich hinaus: Wer in einem Lebenspark lebt, bringt sich in die Gemeinschaft ein und beteiligt sich am geistlichen und gesellschaftlichen Leben vor Ort, beispielsweise durch die Teilnahme an Gottesdiensten oder an gemeinschaftlichen Aktivitäten.

„Die Lebensparks des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbands e.V. verbinden auf innovative Weise eine zukunftsorientierte Immobilienentwicklung mit der Bewahrung der Werte und Handlungsmaximen der Diakonissen.“
Genossenschaft finanziert Neubauten
Für die Entwicklung der Neubauprojekte wurde im Jahr 2024 die DGD-Lebenspark-Dachgenossenschaft eG gegründet. Ihr Vorstand Ralf Weidner erinnert sich an die Anfänge: „Beispielsweise wandten sich Ehepaare an uns, deren Kinder bereits ausgezogen waren und für die das eigene Haus zu groß geworden war. Daraus entstand die Idee, dass sie einen Teil ihres Vermögens in eine Genossenschaft einbringen und im Gegenzug zu vergünstigten Konditionen in einer genossenschaftlichen Lebenspark-Wohnung leben.“
Die Umsetzung des Lebensparks-Konzepts schreitet inzwischen an fünf Standorten voran. Frank Spatz, der die Projektverantwortung im Juli vom Initiator und ehemaligen DGD-Vorstandsvorsitzenden Frieder Trommer übernommen hat, koordiniert gemeinsam mit Weidner die Weiterentwicklung in Lemförde, Elbingerode, Velbert, Marburg und Neustadt/Weinstraße. In Gunzenhausen sind die Pläne wegen anderer Projekte derzeit zurückgestellt. „An den anderen Standorten sind Umbaumaßnahmen entweder bereits abgeschlossen oder in Umsetzung. Auch einige Neubauten befinden sich im Planungsprozess“, berichtet Spatz.
Die Bestandsumbauten werden von den jeweiligen Mutterhäusern finanziert und betrieben, die zugleich als Vermieterin auftreten. Für Neubauten stellen die Mutterhäuser die Grundstücke bereit, während die Finanzierung über die Genossenschaft erfolgt, die anschließend auch den Betrieb übernimmt.

Gemeinschaft statt betreutes Wohnen
Wer Interesse an einer Wohnung in einem Lebenspark hat, durchläuft einen Bewerbungsprozess. Ein Fragebogen auf der Website hilft vorab, die eigenen Vorstellungen mit dem Konzept abzugleichen. Vor dem Einzug müssen neue Bewohnerinnen und Bewohner eine „Lebensparkvereinbarung“ unterschreiben und sich damit zu den dortigen Werten bekennen. „In unseren Lebensparks geht es nicht um betreutes Wohnen, sondern um ein Leben in Gemeinschaft, zu dem jede und jeder einen Beitrag leistet“, betont Spatz. Sollte später Unterstützung oder Pflege erforderlich werden, werden gemeinsam passende Lösungen gesucht – etwa in Einrichtungen auf dem jeweiligen Mutterhausgelände und über Angebote mobiler Pflegedienste.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kommunen
Verschiedene Medien – beispielsweise die FAZ oder die Immobilien Zeitung – berichteten bereits ausführlich über die Lebensparks. Auch bei Städten und Gemeinden stößt das Konzept auf Zustimmung. Der DGD schafft zusätzlichen und zugleich bezahlbaren Wohnraum, ohne primär gewinnorientiert zu handeln. Stattdessen stehen langfristige Verantwortung, Gemeinwohlorientierung und christliche Werte im Mittelpunkt. Diese Haltung schafft Vertrauen und erleichtert die Zusammenarbeit bei Planungs- und Genehmigungsverfahren. „Dem jahrzehntelangen Wirken der Diakonissen verdanken wir sehr viel Wohlwollen aufseiten der Kommunen“, sagt Weidner.
Die Potenziale der sechs Standorte unterscheiden sich deutlich. Insgesamt rechnet der DGD damit, innerhalb der kommenden 10 bis 15 Jahre rund 250 bis 300 zusätzliche Wohnungen zu schaffen. Damit dieses Ziel wirtschaftlich und effizient erreicht werden kann, setzt der DGD bei Neubauten auf ein modulares Baukastensystem. Die Gebäude basieren auf einer gemeinsamen Grundstruktur, einzelne Wohnungszuschnitte können jedoch an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden.
Autorin: Elisabeth Illius, Redaktion
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