Positive Resonanz auf freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht

Menschen stehen vor PlakatStöbern im Nachhaltigkeitsbericht, v. l. Markus Ptok, Katrin Mayer, Hans-Dieter Weigardt und Prof. Dr. Kai Singbartl, Medizinischer Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor. Foto: Ev. Kliniken Essen-Mitte

Positive Resonanz auf freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht

Das politische Hin und Her bei der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung hat die Evangelischen Kliniken Essen-Mitte nicht abgehalten: Das Unternehmen veröffentlichte Ende 2025 seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht für das Vorjahr – und das freiwillig. Trotz des hohen Aufwands überwiegen rückblickend die Vorteile.

Warum ein Nachhaltigkeitsbericht? Für Geschäftsführer Hans-Dieter Weigardt der wichtigste Grund: „Wir sind ein kirchliches Krankenhaus. Für uns zählen ethische Werte. Diese betreffen unsere Patientinnen, Patienten, Mitarbeitenden und weitere Bezugsgruppen. Außerdem hat für uns die Wahrung der Schöpfung – folglich auch der Klimaschutz – einen hohen Stellenwert.“ Energieverbräuche und -sparpotenziale systematisch zu erfassen und auf Basis belastbarer Daten zu verbessern sei ökologisch und angesichts steigender Energiepreise auch ökonomisch sinnvoll.

Grundlage für den Bericht war eine Wesentlichkeitsanalyse mit dem webbasierten Tool WE-LITE. Es half, die wichtigsten Handlungsfelder in Sachen Nachhaltigkeit zu identifizieren. Dafür wurden relevante Bezugsgruppen einbezogen sowie die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft und auch äußere Einflüsse auf das Unternehmen untersucht.

„Nach dem Zurückrudern der EU haben wir die Wesentlichkeitsanalyse freiwillig abgeschlossen und sind danach – ebenfalls freiwillig – mit WE-LITE in die Berichterstattung gemäß VSME-Standard eingestiegen“, berichtet Weigardt. „In den Abteilungen gab es bereits etliche Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit. Wir brauchten gleichzeitig noch eine ganzheitliche Struktur“, erinnert sich Katrin Mayer, Leiterin des Nachhaltigkeitsteams. Mit deren Konkretisierung wurde die Menge an Daten zur Herausforderung. Doch ein Projektstopp stand nie zur Debatte. Hilfreich war dabei, dass die Geschäftsführung das Projekt vollumfänglich unterstützte.

Darstellung: Wesentlichkeitsmatrix der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte
Die Wesentlichkeitsmatrix der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte ist eine visualisierte Darstellung der sowohl für das Unternehmen als auch für seine Bezugsgruppen maßgeblichen Nachhaltigkeitsthemen. Illustration: WE-LITE

Viele Zusatznutzen

Im Rückblick zeigt sich: Der Bericht hat viele Entwicklungen angestoßen. Er brachte einen Reputationsgewinn, sagt Weigardt: „Medien und verschiedene Interessierte in der Region fragten bei uns nach. Auch die Bevölkerung nimmt unser Engagement für Nachhaltigkeit positiv wahr.“ Zudem zahlt sich das Projekt bei Mitarbeitergewinnung und -bindung aus, denn für Bewerberinnen, Bewerber und Beschäftigte spielt nachhaltiges Handeln des Arbeitgebers eine zunehmend große Rolle.

Auch in der Zusammenarbeit mit Banken bringt der Bericht Vorteile. „Wir müssen nicht mehr verschiedene Fragebögen zu unseren ESG-Risiken ausfüllen. Oft reicht unser Nachhaltigkeitsbericht als Antwort aus“, sagt Mayer. Markus Ptok, stellvertretender Bereichsdirektor Institutionelle Kunden Diakonie & Sozialwirtschaft bei der KD-Bank, bestätigt das: „Der durch WE-LITE unterstützte VSME-Standard beantwortet beispielsweise rund 90 Prozent aller Fragen des VR-ESG-Risiko-­Scores, den wir in unserem Hause nutzen.“

Der zweite Bericht für 2025 wird zeitnah fertig sein, mit Texten, Fotos und Grafiken fast durchgehend klinikintern erstellt und anschließend veröffentlicht. Die Herausforderungen der ersten Runde werden in der zweiten Auflage als wertvolle Erfahrungen einfließen. Für Ptok steht fest: „Die Evangelischen Kliniken Essen-Mitte haben einen sehr informativen Bericht vorgelegt und zählen in ihrem Sektor zu den Vorreitern in der freiwilligen Berichterstattung.“

Blick in den Nachhaltigkeitsbericht

Auf Basis der Wesentlichkeitsanalyse haben die Evangelischen Kliniken Essen-Mitte eine Nachhaltigkeitsagenda mit vier Handlungsfeldern ermittelt:
  1. Mensch im Mittelpunkt
  2. CO₂-Fußabdruck
  3. Ressourcen
  4. Abfall
In diesen Handlungsfeldern wurden bisherige Maßnahmen fortgeführt, aktuelle Daten erhoben und neue Ziele auf den Weg gebracht.
Die Fortschritte lassen sich den drei ESG-Dimensionen von Nachhaltigkeit zuordnen:

E = Umwelt:

  • Ziele: Energieverbrauch bis 2027 im Vergleich zu 2024 um 1,5 % senken und im Bereich Fuhrpark Einsparungen von bis zu 10 Tonnen CO₂ im Vergleich zu 2024 erzielen sowie eine Reduktion von Verbräuchen von Ressourcen, auch durch Optimierung von Prozessen und Förderung nachhaltiger Alternativen
  • Beispiele 2024: Photovoltaikanlage sparte bereits im ersten Jahr 39 Tonnen CO₂ ein; Umstellung auf LED-Beleuchtung sparte 208 Tonnen CO₂; wegen ihres hohen Global Warming Potentials: Verzicht auf Anästhetika Desfluran und Isofluran, stattdessen Einsatz von Sevofluran; rund 1800 Ausleihen von Pfandgeschirr; weitere Sensibilisierung von Mitarbeitenden zur Abfallvermeidung

S = Sozial:

  • Ziel: eine bestmögliche Gesundheitsversorgung, Sicherheit, Inklusion und individuelle Zuwendung bieten sowie ein verantwortungsvoller Arbeitgeber sein
  • Einige Beispiele 2024 bezüglich Patientinnen und Patienten: rund 5.500 Fortbildungsstunden für Mitarbeitende zu Patientensicherheit, Prozessqualität und interdisziplinärer Zusammenarbeit, weitere zu Cybersicherheit; digitales Patientenportal erweitert; Überarbeitung des Patientenfragebogens; verschiedene Angebote im Bereich Inklusion
  • Beispiele 2024 bezüglich Belegschaft: Sport-, Gesundheitspräventions- und Kinderbetreuungsangebote; Benefits wie Job-Rad (2024: 216 Verträge insgesamt) und Deutschland-Ticket; zehn internationale Pflegefachkräfte geworben

G = Unternehmensführung:

  • Ziel: Compliance und Datenschutz von zentraler Bedeutung
  • Einige Beispiele 2024: Das etablierte Compliance-Management-System, das strukturierte Daten-Schutz-Management-System und ein digitales Hinweisgebersystem bewährten sich: 2024 keinerlei gerichtliche Verurteilungen, Sanktionen oder Bußgelder.

Sie haben Interesse? Fordern Sie gerne weitere Informationen an und lassen Sie sich von unseren Ansprechpartner/-innen persönlich und individuell beraten. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!

Weitere Artikel

Investition und Finanzierung

Ein bisschen Familie

Die Evangelische Stiftung Volmarstein hat im Hagener Stadtteil Haspe eine neue Pflegeeinrichtung eröffnet. Diese ist ein wichtiger Baustein der zukunftsorientierten Entwicklung des Immobilienbestands der Stiftung.Ein sonniger Tag Anfang Juli. Viele [...]

Investition und Finanzierung

In Lebensparks in christlicher Gemeinschaft leben

Weiterentwicklung ImmobilienbestandWie lässt sich ein historisch gewachsener Immobilienbestand zukunftsfähig weiterentwickeln, wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern? Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband e. V. (DGD) hat mit seinem Lebenspark-Konzept eine Antwort gefunden. Auf [...]

Investition und Finanzierung

KfW-Programm 261: Was wird honoriert?

Erfolgreiche Förderung: Wohnstift am Tiergarten e.V. in NürnbergWer heute in Immobilienbestände investiert, muss energetische Anforderungen, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit zusammendenken. Förderprogramme können Kirche, Diakonie, Sozialwirtschaft und Gesundheitswesen dabei spürbar entlasten. Ihr [...]

Investition und Finanzierung

Die Zukunft kirchlicher Gebäude

„Social Impact Investing – Kirche im Prozess“ heißt eine Broschüre, die das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG) im April veröffentlicht hat. Zwei Mitarbeiterinnen der KD-Bank brachten [...]

Investition und Finanzierung

Refinanzierung endlich regeln

Gemeinsam mit weiteren Kirchen- und Spezialbanken der Genossenschaftlichen FinanzGruppe hat die Bank für Kirche und Diakonie im Frühsommer auf die unbeabsichtigten Folgen der jüngsten Änderungen im Kreditwesengesetz im Rahmen des [...]

Interaktiv

Fünf Jahre Kinderwohl als Ziel

Seit dem 4. Mai 2021 gibt es den KinderZukunftsFonds. Die KD-Bank, die Kindernothilfe und Union Investment haben ihn angestoßen und betreuen und promoten ihn. Sogar einige junge Menschen aus dem [...]

Interaktiv

Unsere nächsten Veranstaltungen 2026

Regionalkonferenzen Die Kapitalmärkte verändern sich stetig. Welche Entwicklungen sind derzeit relevant? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für kirchliche und diakonische Einrichtungen? Antworten sowie weitere Fachinformationen und Einblicke in aktuelle [...]

Interaktiv

Ausschüttung der KD-Bank-Stiftung

Die KD-BANK-STIFTUNG schüttet 240.000 Euro für innovative Projekte in Kirche und Diakonie aus. 170.000 Euro fließen an 71 Vorhaben in den Bereichen Lebensbegleitung, Gemeindearbeit, Ehrenamt und Nachhaltigkeit. Weitere 70.000 Euro gehen [...]

Investition und Finanzierung

Mehrere Hebel konsequent nutzen

Engagement-Prozess (Teil 2): Zusammen mehr erreichen – mit Union InvestmentIn der vergangenen Ausgabe stellte die Redaktion den Engagement-Prozess der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) vor. Der Prozess unterstützt die [...]

Interaktiv

KD-BANK-STIFTUNG übernimmt Ankauf von NS-Artefakten treuhänderisch

Die öffentliche Diskussion über eine im November 2025 gestoppte Versteigerung von Dokumenten und Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus (NS) wird nun im Bundestag weitergeführt: Im Juni 2026 schloss sich der [...]