Individuelle Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Mann steht vor Menschen im RollstuhlFoto: Evangelische Stiftung Hephata

Individuelle Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Klimaschutzstrategie der Evangelischen Stiftung Hephata

Wie lässt sich eine diakonische Einrichtung, die sich für die Teilhabe von 3.000 Menschen einsetzt, für Fortschritte bei der Nachhaltigkeit gewinnen? Die Evangelische Stiftung Hephata bringt für und mit ihren Anspruchsgruppen Ideen auf den Weg, die zu ihrem sozialen Auftrag passen.

Eine besondere Idee, um Nachhaltigkeit erlebbar zu machen, ist der sogenannte Inspirationskalender, der mit seinen Angeboten für Mitarbeitende der Evangelischen Stiftung Hephata und ihrer vier Tochtergesellschaften die Themenfelder Nachhaltigkeit und diakonische Unternehmenskultur verbindet. Dazu gehören Wanderungen mit Alpakas, Besuche von Tierstationen, Achtsamkeitsworkshops oder das Binden von Adventskränzen.

Ein weiteres Beispiel, wie die Stiftung zu gemeinsamen Fortschritten bei der Nachhaltigkeit ermuntert, sind Aufkleber mit Bildsymbolen. In den rund 170 Wohnangeboten sowie den 10 Betriebsstätten der Unternehmensgruppe werden sie genutzt, um Themen wie die Mülltrennung und -entsorgung auch für Menschen mit Unterstützungsbedarf verständlich und einprägsam zu kommunizieren.

Hinter diesen und vielen weiteren Ideen steht ein umfassendes Konzept, das sowohl die soziale als auch die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit berücksichtigt. Als christliches Unternehmen spielt die Bewahrung der Schöpfung dabei eine große Rolle.

„Vor drei Jahren standen wir vor drei großen Herausforderungen: eine eigene Klimaschutzstrategie zu entwickeln, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz zu erfüllen und eine Nachhaltigkeitsberichterstattung aufzubauen“, berichtet Arne Dorando, Stabsstelle Klimaschutz und Nachhaltigkeit der Stiftung. Diese ging die Aufgaben genau in der genannten Reihenfolge an. „Das hat sich als sinnvoll erwiesen, denn die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die wir derzeit erstmals für das Geschäftsjahr 2025 erstellen, profitiert in hohem Maße von den Ergebnissen der beiden anderen Aufgaben.“

Metacomsymbol-Bio-Abfall
Metacomsymbol-Papier

Aufkleber mit leicht verständlichen Bildsymbolen helfen in den Wohnangeboten und Betriebsstätten dabei, Informationen zur Mülltrennung anschaulich und einprägsam zu vermitteln.

Die Basis: die Klimaschutzstrategie

Im September 2025 veröffentlichte die Stiftung Hephata ihre Klimaschutzstrategie. Darin formuliert sie konkrete Ziele zur Reduzierung ihrer CO₂-Emissionen. Bis 2030 sollen die Emissionen gegenüber dem Jahr 2022 um 65 Prozent sinken. Bis 2035 möchte die Stiftung nahezu klimaneutral arbeiten.

Gemeinsam mit den Fachabteilungen wurden auf dieser Basis verschiedene Handlungsfelder abgeleitet. Als besonders anspruchsvoll gelten die Bereiche Bauen und Instandhaltung, unter anderem aufgrund begrenzter Fördermittel. Vergleichsweise unkompliziert verläuft hingegen die schrittweise Umstellung des Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge. 2025 verfügten bereits rund 20 Prozent der Flotte über einen Elektroantrieb.

„Bei jeder Heizungssanierung stellen wir auf Pellets oder eine Wärmepumpe um beziehungsweise ergänzen bestehende Systeme entsprechend“, erklärt Dorando. Deutlich aufwendiger gestaltet sich die Reduzierung der Emissionen im Pendlerverkehr der Mitarbeitenden.

Eine Besonderheit der Klimaschutzstrategie der Evangelischen Stiftung Hephata ist das starke Engagement für die Biodiversität. Auf dem 26 Hektar großen Gelände in Mettmann und dem neun Hektar großen Standort in Mönchengladbach gibt es Streuobst- und Blühwiesen, naturnah belassene Randbereiche sowie Flächen, die nicht mehr regelmäßig gemäht werden.

Darüber hinaus arbeitet die Stiftung mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen. „Viele Wohngruppen haben eigene Projekte ins Leben gerufen. Die fachliche Kompetenz unserer Mitarbeitenden ist außerdem äußerst wertvoll“, so Dorando. Dass Mitarbeitende und die von Hephata begleiteten Menschen gemeinsam an den Nachhaltigkeitszielen arbeiten, ist aus seiner Sicht ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Klimaschutzstrategie.

Menschen sitzen am Tisch und essen
Die Evangelische Stiftung Hephata ist ein christliches Sozialunternehmen in Nordrhein-Westfalen, das Menschen mit Unterstützungsbedarf und seine Mitarbeitenden seit über 166 Jahren in den Mittelpunkt seines Handelns stellt. Foto: Evangelische Stiftung Hephata

Pflicht erfüllt: Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Auch die Anforderungen des Lieferkettensorgfalts­pflichtengesetzes konnte die Stiftung zügig umsetzen:

  • Verhaltenskodex eingeführt
  • anonymen Beschwerdekanal eingerichtet
  • softwaregestützte Überwachung der Lieferkette eingeführt, die auch nach Wegfall der gesetzlichen Pflicht fortgeführt wird

Die eingesetzte Software überprüft vierteljährlich den gesamten Lieferantenbestand der Unternehmensgruppe und weist auf potenzielle Risiken hin. „Warnhinweise erhalten wir nur selten, da wir überwiegend regional einkaufen, vor allem Lebensmittel sowie Reinigungs- und Hygienemittel für unsere Einrichtungen, aber auch Baustoffe und Fahrzeuge“, erläutert Dorando.

Die Kür: freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die jüngste Säule des Klima- und Nachhaltigkeitskonzepts ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Grundsätzlich bewertet Dorando die ursprünglichen europäischen Anforderungen der CSRD-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive) positiv. Die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen fördere eine stärkere Berücksichtigung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Aspekte in Unternehmen, sei aber zu komplex gewesen.
Inzwischen erstellt die Stiftung ihren Bericht nach dem VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs). Dabei handelt es sich um einen freiwilligen und deutlich vereinfachten Berichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen sowie Organisationen, die nicht börsennotiert sind.

Die Stiftung sieht darin mehrere Vorteile:

  • Die Berichterstattung liefert konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen, beispielsweise bei Gleichstellung oder Barrierefreiheit.
  • Sie macht Schwachstellen und Entwicklungspotenziale sichtbar.
  • Sie stellt wichtige Daten für externe Anfragen bereit, etwa von Banken oder Geschäftspartnern.

„Die Berichterstattung nach dem VSME-Standard bietet eine sehr gute Balance zwischen Aufwand und Nutzen“, fasst Dorando zusammen.

Basis, Pflicht und Kür zeigen: Nachhaltigkeit ist bei Hephata eine langfristige Gemeinschaftsaufgabe, die strategische Ziele und konkretes Handeln verbindet.

Autorin: Elisabeth Illius, Redaktion

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