Engagement-Prozess (Teil 2): Zusammen mehr erreichen – mit Union Investment
Mehrere Hebel konsequent nutzen
In der vergangenen Ausgabe stellte die Redaktion den Engagement-Prozess der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) vor. Der Prozess unterstützt die ethisch-nachhaltige Geldanlagestrategie, indem er Emittenten – Unternehmen verschiedener Branchen – zu Verbesserungen in Sachen Nachhaltigkeit bewegt.
Die langjährige Partnerin der KD-Bank Union Investment wird für die Bank über zwei Wege bei den Emittenten aktiv. „Vote“ und „Voice“ heißen die beiden Hebel des Engagement-Prozesses und sind wie dieser selbst englische Fachbegriffe. Das unterstreicht die internationale Dimension, die die Einflussnahme auf die Emittenten hat.
Allein im Jahr 2025 hat Union Investment 451 Dialoge mit Unternehmen aus 37 Staaten gezielt zu Nachhaltigkeitsthemen geführt. Die Fondsgesellschaft hat dabei im Sinne von 341 Milliarden Euro betreuten Vermögens Position bezogen (Voice = Mitreden). Dass Union Investment nicht nur Interessen der KD-Bank, sondern vieler weiterer Kunden vertritt, stärkt ihre Verhandlungsposition gegenüber den Unternehmen. Ihr „Voice“-Einsatz betrifft nicht nur Fonds mit Nachhaltigkeitsstrategie.
Der zweite Hebel (Vote = Mitbestimmen) bezieht sich auf die Stimmabgabe bei Hauptversammlungen der Emittenten. Widersprechen beispielsweise Beschlussvorlagen den Zielen der von Union Investment vertretenen Kunden, verweigert die Fondsgesellschaft die Zustimmung. Kommt es zu keiner Einigung, verkauft sie die Aktien oder Anleihen. 2025 beteiligte sich Union Investment an 1.831 Abstimmungen bei Hauptversammlungen von Unternehmen in 34 Ländern. Zudem sind ihre Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten gefragte Redner bei verschiedenen Hauptversammlungen der Emittenten.

Welcher Hebel ist der wirkungsvollste?
„Nachhaltige Veränderungen lassen sich selten mit nur einem Hebel erreichen. Am meisten bewirken wir, wenn Vote und Voice Hand in Hand gehen“, sagt Janina Bartkewitz. Sie arbeitet als ESG-Analystin im Portfoliomanagement von Union Investment und hielt beim jüngsten AnlageForum der KD-Bank einen Vortrag.
Bevor die Mitarbeitenden der Fondsgesellschaft beispielsweise einem Vorstand die Entlastung verweigern – Stichwort Vote –, haben sie viele Male mit Unternehmensvertretern verschiedener Bereiche und Funktionen über Lösungswege gesprochen. Kombiniert eingesetzt kann „Vote & Voice“ Druck aufbauen, um Unternehmen beispielsweise zu einer konsequenteren Umsetzung ihrer Klimaziele, einem verantwortungsvolleren Umgang mit Wasserressourcen oder einer wirksameren Kontrolle von Menschenrechtsrisiken in der Lieferkette zu bewegen. Stetig dranbleiben, den Kurs konsequent beibehalten und alle Register ziehen – so lässt sich die erfolgverheißende Engagement-Taktik von Union Investment beschreiben.

Letztlich geht es bei Engagement nicht nur darum, in Sachen Nachhaltigkeit besser zu werden, sondern die ethisch-nachhaltige Ausrichtung der Unternehmen fundamental zu stärken und die Resilienz in Krisenzeiten zu erhöhen. Engagement hat damit direkten Einfluss auf die zukünftige Bewertung eines Unternehmens und die Rendite von Investoren.
Mit Engagement befassen sich bei Union Investment 13 Personen. 23 Analysten und Analystinnen arbeiten in der ESG-Abteilung, darunter Janina Bartkewitz. Sie sind verantwortlich für die Integration von Umwelt (Environment)-, Sozial- und Governance-(ESG-)Kriterien in die Investmententscheidungen.
Im Gespräch mit der Perspektiven-Redaktion hebt Bartkewitz aus einer Vielzahl von Erfolgsgeschichten der jüngsten Vergangenheit einige repräsentative Beispiele hervor. Bevor die Erfolgsstorys genannt werden, ist eine Anmerkung wichtig: Nicht jedes noch so hartnäckig verfolgte Engagement ist von Erfolg gekrönt.

Aktives Aktionärstum
Die KD-Bank nutzt nicht nur ihre Aktienbeteiligungen und die daraus resultierenden Stimmrechte, um Einfluss auf Unternehmen auszuüben. Ihr Engagement umfasst mehr: Anleihen, Kreditvergabe, Kooperationen, (Genossenschafts-)Beteiligungen …
Erfolgsbeispiel Governance
Über Jahre hinweg kritisierte Union Investment die Doppelrolle von Oliver Blume als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und Porsche. Aus Sicht des zuständigen Asset Managers barg sie gerade in einer Phase tiefgreifender Veränderungen in der Automobilindustrie erhebliche Risiken. Deshalb brachte Union Investment das Thema wiederholt in Gesprächen mit dem Aufsichtsrat sowie auf den Hauptversammlungen 2024 und 2025 zur Sprache. „Das beharrliche Engagement zahlte sich aus. Seit dem 1. Januar 2026 konzentriert sich Oliver Blume vollständig auf seine Rolle als Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und gab den Vorsitz bei Porsche ab“, berichtet Bartkewitz.
Erfolgsbeispiel Social
Auch im Bereich Menschenrechte hat der Dialog mit Unternehmen konkrete Fortschritte angestoßen. Carrefour hat seinen Code of Ethics sowie die Supplier Charter im Jahr 2025 umfassend überarbeitet und weiter gestärkt. Der Verhaltenskodex gilt nun für alle direkten Mitarbeitenden des Unternehmens. Gleichzeitig werden die Anforderungen der Supplier Charter schrittweise verbindlich in die Verträge mit allen Lieferanten aufgenommen. „Damit verankert Carrefour Menschenrechts- und Sorgfaltspflichten noch stärker in den eigenen Geschäftsprozessen und entlang der Lieferkette“, sagt Bartkewitz.
Meilenstein Environmental
Bei der ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit stehen derzeit Klima und Biodiversität im Fokus des Engagements von Union Investment – sowohl gegenüber Unternehmen als auch gegenüber Staaten. Auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém führte die Fondsgesellschaft Gespräche mit Diplomaten aus knapp 20 Staaten, in denen Union Investment in relevantem Maße investiert ist. „Die COP30 brachte Fortschritte bei der Finanzierung von Klimaanpassung und Naturschutz. Ein klares Signal für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen blieb jedoch aus“, ordnet Janina Bartkewitz die Ergebnisse ein.
Nachhaltigkeit ganzheitlich denken
„Union Investment fordert inzwischen auch, dass Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachtet und angegangen wird: Grüne Veränderungen müssen auch sozial vonstattengehen“, so Bartkewitz. „Just Transition“ – eine verantwortungsvolle Transition – verfolgen bereits etliche Unternehmen.

Engagement gegen den Tiefseebergbau
Der Tiefseebergbau bedroht nach Einschätzung kirchlicher Investoren und ökumenischer Organisationen die Meeresökosysteme, das Klima sowie die Lebensgrundlagen vieler Küstengemeinschaften. Deshalb haben sich auf Initiative des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren (AKI), in dem sich die KD-Bank engagiert, sowie kirchlicher Entwicklungsorganisationen 17 institutionelle Anleger aus 17 Ländern und verschiedenen Konfessionen zusammengeschlossen – zusätzlich zu den 47 evangelischen Mitgliedsinstitutionen des AKI. Ihr gemeinsames Ziel: Unternehmen der Real- und Finanzwirtschaft für die Unterstützung eines Moratoriums zu gewinnen. Die Unternehmen sollen sich öffentlich dazu verpflichten, keine Mineralien aus dem Tiefseeboden zu beziehen, solche Rohstoffe aus ihren Lieferketten auszuschließen und keine Aktivitäten für den Tiefseebergbau zu finanzieren.
„Als Investoren haben Kirchen Zugang zu Unternehmen. Mit ihrer Kombination aus Kapital und Wertemacht können sie in Engagement-Dialogen einen wirksamen Beitrag für die Umsetzung eines Moratoriums leisten. Der AKI hat bereits positive Erfahrungen mit dem Engagement zu Tiefseebergbau gemacht und auch erste Erfolge verzeichnet“, erklärt der AKI-Vorsitzende Dr. Jörg Mayer.
Gemeinsam mit Brot für die Welt, dem Ozeanien-Dialog und Misereor hat der AKI ein Faktenblatt zum Tiefseebergbau veröffentlicht.
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